Polymarket in Deutschland: Aktuelle Rechtslage 2025
Kurzzusammenfassung: Polymarket bewegt sich in Deutschland in einer rechtlichen Grauzone. Es gibt keine explizite Genehmigung und keine aktive Blockierung. Nutzer handeln auf eigene Verantwortung. Gewinne sind steuerpflichtig.
Was sagt der Glücksspielstaatsvertrag 2021?
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ist die zentrale Rechtsgrundlage für Online-Glücksspiel in Deutschland. Er trat am 1. Juli 2021 in Kraft und löste den alten GlüStV 2012 ab. Der GlüStV 2021 reguliert explizit:
- Online-Sportwetten (mit Erlaubnis)
- Online-Casinospiele (mit Erlaubnis)
- Online-Poker (mit Erlaubnis)
- Online-Lotterien (mit Erlaubnis)
Prediction Markets wie Polymarket werden im GlüStV 2021 nicht explizit erwähnt. Sie fallen in eine Kategorie, die der Gesetzgeber 2021 noch nicht im Blick hatte: dezentrale, blockchain-basierte Informationsmärkte ohne klassischen Betreiber im traditionellen Sinne.
Verschiedene Rechtsmeinungen
Unter deutschen Juristen gibt es verschiedene Einschätzungen:
Einordnung als Glücksspiel (strengere Sicht)
Argumentiert wird, dass Prediction Markets die Kernmerkmale von Glücksspiel erfüllen: Geldeinsatz, Zufallselement beim Ergebnis, möglicher Gewinn oder Verlust. Nach dieser Lesart würde die Teilnahme ohne entsprechende Lizenz gegen den GlüStV verstoßen.
Einordnung als Finanzinstrument (großzügigere Sicht)
Andere Juristen argumentieren, dass Prediction Markets als OTC-Derivate auf Ereignisse einzustufen sind — Finanzinstrumente im Sinne der MiFID II, nicht Glücksspiel. Diese Einordnung würde sie aus dem GlüStV-Anwendungsbereich herausnehmen.
Einordnung als Informationsmarkt
Eine dritte Sichtweise betrachtet Prediction Markets primär als Informationsaggregationsplattformen mit einer Vergütungskomponente — analog zu Börsenprodukten, nicht zu Glücksspielen.
⚠️ Es gibt bislang keine höchstrichterliche Entscheidung in Deutschland zu Prediction Markets. Die rechtliche Lage kann sich ändern. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung — konsultieren Sie einen Anwalt für Ihren konkreten Fall.
Was passiert in der Praxis?
In der Praxis haben die deutschen Glücksspielaufsichtsbehörden (die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, GGL) bislang keine spezifischen Maßnahmen gegen Polymarket-Nutzer in Deutschland eingeleitet. Polymarket selbst sperrt keine deutschen IP-Adressen aktiv.
Es gibt keine bekannten Fälle, in denen deutsche Nutzer strafrechtlich verfolgt wurden für die Nutzung von Prediction Markets auf Polymarket oder vergleichbaren Plattformen.
Steuerliche Pflichten für deutsche Nutzer
Unabhängig von der Legalitätsfrage: Gewinne aus Polymarket sind in Deutschland steuerpflichtig.
Mögliche steuerliche Einordnungen
Private Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG): Wenn USDC als Kryptowährung innerhalb eines Jahres gekauft und für Trading eingesetzt wird, könnten Gewinne als private Veräußerungsgewinne gelten. Freigrenze: 600 EUR pro Jahr.
Sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG): Wenn als Glücksspielgewinn eingestuft. Freibetrag: 256 EUR, darüber vollständig steuerpflichtig.
Gewerbliche Einkünfte (§ 15 EStG): Bei regelmäßigem, professionellem Trading. Dann Einkommensteuer + ggf. Gewerbesteuer.
Dokumentationspflichten
Bewahren Sie folgende Nachweise auf:
- Alle Einzahlungen (Datum, Betrag, EUR-Kurs zum Einzahlungszeitpunkt)
- Alle Trades (Datum, Position, Einsatz, Gewinn/Verlust)
- Alle Auszahlungen
- Screenshots der Transaktionshistorie als Backup
Empfehlung
Wenn Sie Polymarket in Deutschland nutzen möchten, empfehlen wir: (1) Lassen Sie sich von einem auf Krypto und Glücksspielrecht spezialisierten Anwalt beraten. (2) Führen Sie sorgfältige Transaktionsaufzeichnungen. (3) Deklarieren Sie Gewinne in Ihrer Steuererklärung. (4) Behalten Sie aktuelle Entwicklungen in der deutschen Glücksspiel-Regulierung im Auge.
Jetzt auf PolyGram handeln →